Aktuelles aus dem Spatzennest

Abschied Gabriele Hofmeister

Gabi Hofmeister wurde in Schwabing geboren und besuchte dort als Kind ganztags einen Kindergarten mit Nonnen. An diese Zeit erinnert sie sich nicht gerne; sie fragte sich jeden Morgen weinend, ob sie da wieder hin müsse. Vielleicht entstand damals schon der Wunsch, etwas zu ändern und Erzieherin zu werden, um keinem Kind solch eine traumatische Kindergartenzeit zuzumuten. Damals nannte man es noch Kindergärtnerin.
Nach dem Abitur besuchte sie die Fachakademie für Sozialpädagogik am Bogenhauser Kirchplatz und erfüllte sich diesen Traum. Gleich ihre erste Bewerbung in St. Mauritius wurde ihre einzige und lebenslange Stelle. Zum 31.08.26 geht Frau Hofmeister nun in den Ruhestand – zum Abschied haben wir mit ihr ein Interview geführt.

Liebe Frau Hofmeister:
Können Sie sich noch an Ihren ersten Arbeitstag erinnern? Welches waren Ihre ersten Eindrücke?
An meinen ersten Arbeitstag am 01.09.1985 kann ich mich gut erinnern, denn ich kam heim und sagte zu meinem Mann: „Da geh ich nie wieder hin …!“ Es war alles sehr streng, vorgeschrieben, „immer schon so und so soll es auch bleiben…“. Da wurden sogar Ränder um die Malblätter der Kinder gezogen, stundenlang… Aber ich bin Stier, emotional, beharrlich, zielorientiert, „stur“ sagt mein Mann und so blieb ich und konnte langsam, aber sicher vieles verändern, auflockern, anpassen.
Es gab drei Gruppen und fünf Kinder-gärtnerinnen. Die Kinder waren entweder Tageskinder mit Mittagessen in einer Gruppe (25 Kinder 7:30 bis 17.00 Uhr) oder ohne Mittagessen (7:30 bis 12:00 Uhr), gingen zu Mittag heim und konnten ab 14 Uhr wiederkommen (was nur sehr wenige taten).
Welche Wünsche und Hoffnungen standen bei Ihnen damals oben an?
Ich hatte keine Wünsche, außer dem einen, dass ich alles ganz anders machen wollte, als ich es selbst als Kind erlebt habe.
Welche Highlights und auch evtl. welche negativen Erfahrungen werden Ihnen in Erinnerung bleiben? 
Nach einem Leitungswechsel 1997 kam eine Leitung, die das völlige Gegenteil der Vorgängerin und meistens krank war, so dass ich, als wieder ein Leitungswechsel 2000 anstand, überlegte, ob ich es machen wollte. Barbara Schröders von St. Martin, Frau Thiele, Frau Dobmeier und Pfarrer Dr. Martin Schubert drängten mich, die Stelle zu übernehmen und mit ihrer Unterstützung den Kindergarten in eine neue Zeit zu führen. Sie hielten Wort und so wurden daraus 26 Jahre Leitung in dieser Einrichtung.
45 Kolleginnen sind für 41 Jahre wenig Wechsel, wenn man davon absieht, dass viele davon Kinder bekommen haben oder weggezogen sind. Das zeigt, dass ich in diesen Jah­ren richtig viel Glück und immer Kolleginnen hatte, mit denen man vieles aufbauen, durchstehen, erreichen und erleben konnte. 
Dazu gehören die Erarbeitung und Weiterentwicklung der Hauskonzeption ab 2000, des Schutzkonzeptes 2019 und des Kiga-ABC 2025 und der Homepage. Mit und für die Kinder und ihre Familien planten und veranstalteten wir unzählige Erntedankfeiern, kleine Oktoberfeste in Tracht, Halloween- und Faschingsparties, Martinsfeste, Oster-, Nikolaus- und Weihnachtsfeiern, Geburtstags- und Abschiedsfeiern. Im Garten konnten wir dank der Hilfe unzähliger Eltern ein Sitzrondell, ein Weidenzelt, eine Kräuterschnecke, einen kleinen Bachlauf mit Teich, Hochbeete, einen Steinkreis und eine Igelecke anlegen. Elternabende, Ausflüge und Familienfeste waren uns immer ein wichtiger Punkt im Miteinander mit den Familien. Die Höhepunkte in diesen vielen Jahren aber waren unsere legendären Feste wie das Aufstellen der Maibäume 2004, 2020, 2021, acht Christkindlmärkte sowie die beiden 40. und 50. Kiga-Jubiläen.
Es gab aber auch schwierige Zeiten wie die vier Einbrüche, die uns viel Schrecken, Ärger und Schaden verursachten oder die Coronajahre, die uns alle vor völlig neue Herausforderungen, ständig wechselnde Vorschriften und einen neuen Umgang miteinander stellten.
Welche Veränderungen gab es?
Das umfangreichste Projekt war der Umbau des kompletten Kigas 2012/2013, der uns für 14 Monate in das für uns angepasste Gemeindehaus umziehen ließ. Dies war eine generalstabsmäßig geplante Aktion, die das ganze Knowhow, Energie, Kraft und Fantasie meines wundervollen Teams erforderte. Doch wir habe es geschafft, wie so viele schwierige und herausfordernde Situationen und Zeiten.
Ich kann mich gut an ein Erlebnis erinnern, als wir anlässlich des „Servus, altes Haus-Festes“ 2012 beim Gottesdienst, gekleidet in pinkfarbene T-Shirts vor versammelten Familien das selbstgedichtete Lied „nach 44 Jahren, da ist nun endlich Schluß ...“ vortrugen und -tanzten, sehr zum Erstaunen der Hochwürdigen Herren hinter uns, und dafür „standing ovations“ bekamen. Die T-Shirts haben wir alle immer noch. Und bei einer Faschingsparty mit den Kindern forderten mich die Kinder zum Stoptanz heraus und ich hielt durch, gewann sogar. In der Notaufnahme im dritten Orden musste ich als Grund für meinen Arbeitsunfall meinen „Sieg beim Stoptanz“ angeben. der mir eine Urkunde, aber auch eine OP einbrachte …
Wie war die Verbindung zur Pfarrei St. Mauritius in all den Jahren?
Ich hatte in meinen 41 Jahren die große Ehre, Freude, das Vergnügen und das Privileg, 12 Chefs (Pfarrer, Pastoralreferenten, Diakone, Verwaltungsleiter), zwei Hausmeister, acht Pfarrsekretärinnen, zwei Vorgängerinnen, 45 Kolleginen, ca. 1150 Kinder und ihre Familien kennenlernen und an meiner Seite haben zu dürfen. Leider war ich auch auf der Beerdigung von zwei ehemaligen Kindergartenkindern und zwei jungen Kolleginnen.
Wie veränderte sich die Betreuung der Kinder in den Jahren? Was macht Ihnen Hoffnung und was macht Ihnen Sorge?
Die Berufstätigkeit der Mütter ist angestiegen – die Betreuungszeiten sind länger geworden. Und ich kann mich an keinen männlichen Erzieher in all den Jahren bei uns erinnern.
Welche Wünsche und Erwartungen haben Sie nun im Ruhestand für sich selbst? Was wünschen Sie dem KiGa, Ihrer Nachfolgerin und der Pfarrei St. Mauritius?
Tja, jetzt sind die 41 Jahre verflogen, sie waren nie langweilig, wenn ich an die vielen Ereignisse und Erlebnisse zurückdenke. Ich habe mich immer gefreut, wenn Kinder leuchtende Augen hatten, als ich aus dem Urlaub zurückkam, wenn Kinder den Mut hatten, zu widersprechen, zu diskutieren, zu toben und zu weinen, weil sie mir vertrauten, wenn sie sagten, wie schön sie unser Zimmer fanden, das wir gemeinsam dekoriert hatten, wenn ich sie begleiten, unterstützen, herausfordern, trösten, necken, lehren und begleiten durfte. 
Das wird mir sehr fehlen … das Lachen, das Singen, das Geschichten Erzählen und Bücher Lesen, das Spielen, Mogeln, das Turnen, Basteln, und so vieles mehr….
Nicht fehlen werden mir die Büro-arbeit, die vielen Stunden am Computer (Statistiken, Anfragen, Mails,  Anstellungsschlüssel, Homepage, ...).
Ich lege aber mein ganzes Vertrauen in mein Team, diese wunderbaren Mädels, die sich jeder Herausforderung gemein-sam stellen, Frau Judith Pache, die ab September die Stelle der Leitung übernimmt und, unterstützt durch die Kolleginnen, den Kindergarten durch weitere Entwicklungen führen wird. Es wird nicht einfacher werden. Personalmangel, Verwaltung, herausfordernde Kinder, höhere Ansprüche an Öffnungszeiten, familienersetzende statt ergänzender Aufgaben.
Ich bedanke mich bei allen Eltern, Kindern, pastoralen Kollegen, Kooperationspartnern und nicht zuletzt bei meinem Mann, der mich immer unterstützt, aufgefangen, aufgebaut und runtergeholt hat.
Eine liebe Freundin schickte mir das Zitat von Dom Gelder Camara, das zu 100 % auf mich zutrifft:
„Das Äußerste geben, immer mit dem Herzen arbeiten und mit ganzem Herzen, ob es sich darum handelt, ein Raumschiff zu den Sternen zu führen oder einen einfachen Punkt mit dem Bleistift zu malen.“
So war und bin ich, manchmal auch zum Leidwesen meiner Kolleginnen,  Eltern oder Vorgesetzten. 
Und so bleibt ein Stück meines Herzens hier im Kindergarten St. Mauritius, im „Großen Nest für kleine Leute“ und ich wünsche allen, die hier ein- und ausgehen, alles Liebe und Gute. 
Ich freue mich nun auf Zeit für meine Familie und meine Hobbies (Reisen und Malen).
Vielen Dank und Gottes reichen Segen von uns für Ihren Ruhestand!
[Das Interview führte Diakon  Frank Kreysing]

Artikel aus dem Pfarrbrief Sommer 2026 - Seiten 46 - 48